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Jahresbericht 2003 (Sebastian Wilske), Kurzfassung

Wilske, Sebastian (2003)

Innenentwicklung vor Außenentwicklung - Innere Reserven in der Region Stuttgart

In der gegenwärtigen Diskussion zu Strategien der Stadt- und Siedlungsentwicklung spielen die inneren Reserven im Siedlungsgefüge eine bedeutende Rolle. Angesichts von Prognosen, die einen deutlichen Rückgang der Bevölkerung wahrscheinlich erscheinen lassen, wird die weitere Orientierung von Entwicklungsüberlegungen auf den Aussenbereich zunehmend fragwürdig, auch wenn unbestritten die Zunahme des spezifischen Flächenverbrauchs für wohnen und arbeiten einen Teil der rückläufigen Entwicklungen kompensieren wird. Ziel muss schon heute sein, den Innenbereich der Siedlungen ins Zentrum der Ueberlegungen zu stellen. Dabei taucht zuallererst die Frage auf, in welchem Umfang Nachfrage nach Bauflächen statt im Aussenbereich im Inneren des bestehenden Siedlungsgefüges befriedigt werden kann. Die besonderen Anstrengungen, die zur Entwicklung des Bestandes notwendig sind, lohnen sich jedenfalls, Innenentwicklung darf aber nicht als „Bonus“ zusätzlich zu weiterer ungebremster Entwicklung im Aussenbereich betrieben werden, sondern muss durch eine Beschränkung der Aussenentwicklung flankiert werden. Diese Beschränkung im Aussenbereich kann argumentativ nur mit einer Übersicht über die Potentiale im Bestand durchgesetzt werden. Die Frage nach dem Umfang der Potenziale im Bestand in verschiedenen Städten und Gemeinden schon angegangen und zum Teil beantwortet worden. Nachdem in den achtziger Jahren vor allem die Baulückenproblematik in Zentrum stand, waren es in den Folgejahren die Möglichkeiten der Nachverdichtung vor allem in bestehenden Wohngebieten. Im Zuge der Reformen bei Bahn und Bundeswehr sowie des fortdauernden Strukturwandels in der Wirtschaft rücken in letzter Zeit die grösseren Areale im Innenbereich in den Mittelpunkt. Diese Flächen bieten neue Chancen für die Entwicklung im Bestand und erfordern andere Herangehensweisen als die vorgenannten Felder der Innenentwicklung. Der Gegenstandsbereich der vorliegenden Arbeit sind diese Potentiale, als Abgrenzung zu den Baulücken wurde eine Mindestgrösse von 2000 qm gewählt. Ein Untersuchungsgebiet mit dem Umgriff eines Regionalverbandes zwingt zur Strukturierung und Abstraktion. Erster Schritt ist darum, anhand grundlegender Kenngrössen, die Abgrenzung von vier Teilräumen innerhalb der Region, die im Bezug auf die zu behandelnden Fragestellungen in sich homogen genug sind, um zusammengefasst werden zu können. Ziel des ersten Teils der vorliegenden Arbeit ist es, den Umfang der Potenziale im Bestand im regionalen Kontext, beispielhaft in der Region Stuttgart, abzuschätzen. Das Ergebnis werden also zuförderst zwei Zahlen sein: Die obere und die untere Grenze dieser Abschätzung. Die Schätzung kann dabei auf verschiedene Untersuchungen zurückgreifen, an erster Stelle zu nennen sind dabei zwei Untersuchungen des Verbandes Region Stuttgart, die dieser selbst durchgeführt beziehungsweise beauftragt hat. Auch weitere Untersuchungen aus der Region und anderen Räumen werden vergleichend herangezogen. Im Ergebnis kann davon ausgegangen werden, dass in der Region Stuttgart Potentiale im Bestand im Umfang von 2000 - 2700 ha auf größeren Arealen für Innenentwicklung zu Verfügung stehen. 2 Die Kenntnis der Grössenordnung der Potenziale im Bestand ermöglicht die Entscheidung, ob diese Potenziale eine Schwerpunktsetzung im Bereich der Regionalplanung rechtfertigen. Die Abschätzung lässt diese Schwerpunktsetzung jedenfalls empfehlenswert erscheinen. Will die Regionalplanung die Innenentwicklung aktiv fördern, die Aktivitäten des Verbandes Region Stuttgart werden in einem Abschnitt kurz dargestellt, so muss für diese aktive Rolle als Basis die Übersicht über die Potentiale hergestellt werden. Dies Unterfangen ist im regionalen Masstab noch komplexer und aufwändiger als auf der kommunalen Ebene. Gegenstand der Arbeit ist im zweiten Teil darum die Entwicklung und der Test einer Erhebungsmethode, welche für die regionale Ebene geeignet ist. In drei Kommunen wurde eine Erhebung der Potentiale im Bestand durchgeführt, dies stellt eine Erprobung der entwickelten Methode dar und ermöglicht die Prüfung der Abschätzungen in einem Teilraum. Die Erhebung beschränkt sich dabei auf einige wenige z rale Informationen zu den einzelnen Arealen, um im Gegenzug eine regionsweite flächendeckende Erhe bung mit realistischem Aufwand zu ermöglichen.

Arbeitsbericht des Instituts für Städtebau und Landesplanung der Universität Karlsruhe. Karlsruhe: Eigenverlag.
ISBN 3-89157-104-6; ISSN 0-177-720