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Jahresbericht 2003 (Grit Orwart), Kurzfassung

 Orwat, Grit (2003)

Kommunales Flächenressourcenmanagement. Analyse bestehender Flächenübersichten und Erarbeitung eines Managementsystems zur Entwicklung potenzieller Innenentwicklungsflächen am Beispiel der Kommune Wendlingen am Neckar

Die anhaltende Flächeninanspruchnahme für Siedlungs und Verkehrszwecke erfordert eine bewusste Steuerung des nachhaltigen Umgangs mit den natürlichen Ressourcen. Die Orientierung der Flächenhaushaltspolitik setzt ein gezieltes Flächenressourcenmanagement voraus, das die Verringerung des Flächenverbrauchs und die effektive Nutzung der vorhandenen innerstädtischen Potenziale durch Reaktivierung, Flächenrecycling und Nachverdichtung umfasst.
Im Rahmen der Erstellung eines Flächenmanagementsystems werden die Potenziale der Innenentwicklung in der mittelgroßen Kommune Wendlingen am Neckar erfasst und Strategien der Entwicklung erarbeitet. Der Schwerpunkt der Arbeit ist auf die effiziente und zielorientierte Erfassung und Verwendung der Potenzialflächenübersicht ausgerichtet, die auf Grund der limitiert vorhandenen kommunalen Kapazitäten in dieser Gemeinde notwendig ist.

Die Grundlage der Untersuchung bilden erste in Deutschland durchgeführte Pilotprojekte des kommunalen Flächenressourcenmanagements. Die Auswertung der Erfassungsmethodik der Potenzialflächen zeigt, dass die detaillierte Definition der Potenziale in den Bereichen „Wohnen“ und „Gewerbe“ die Basis einer differenzierten Entwicklung bildet. Die Erfassung der Kenndaten dieser Flächen muss sich auf Grund der Informationsfülle auf die entwicklungsrelevanten Informationen beschränken.

Die Modellkommune Wendlingen am Neckar verfügt in ihrer Lage im Verdichtungsraum Stuttgart über räumlich beschränkte Entwicklungsmöglichkeiten. Diese Situation sowie der politische Wille zur Durchführung der nachhaltigen Flächennutzung begründen die konsequente Politik der Innenentwicklung in Wendlingen am Neckar in den letzten 16 Jahren. Unter der Verwendung praktikabler rechtlicher Instrumente und in Zusammenarbeit mit Privatpersonen und Gesellschaften wurden 10 Prozent des Wohnungsbestands in Wendlingen am Neckar durch Nachverdichtungsmaßnahmen geschaffen.

Auf der Grundlage der Siedlungsstruktur und der Flächencharakteristik werden die Entwicklungspotenziale „Wohnen“ und „Gewerbe“ definiert. Entscheidende Bedeutung hat die Differenzierung der „Potenziale im Bestand“ und der „Langfristig entwicklungsfähigen Potenziale“, da die Nutzung des letztgenannten Potenzials eine langfristige und koordinierte Flächenhaushaltspolitik fördert. Mit der Erhebung dieser Flächen und der Berechnung des realistischen Potenzials anhand von Maßnahmenfällen und lokaler Dichtewerte verdeutlicht sich ein Wohnpotenzial von 17 Prozent im Verhältnis zum derzeitigen Siedlungsbestand. Der Hauptanteil resultiert aus der Entwicklung der langfristig entwicklungsfähigen, großflächigen Potenziale sowie der Schließung von Baulücken und mindergenutzter Flächen. Das Gewerbeflächenpotenzial hat einen Anteil von 41 Prozent im Verhältnis zu den Bestandsflächen. Hier liegen die Reserven in dem kostenintensiven Recycling von Brachflächen sowie in der Nutzung von langfristigen Entwicklungspotenzialen.

Mit der Auswahl der relevanten Flächeninformationen des Datenblatts wird die Grundlage des Flächenmanagements vervollständigt. Die Erfassung der Grund- und Flächendaten ermöglicht unter Beachtung der Entwicklungsdaten die Erarbeitung von Handlungslinien zur Umsetzung der Innenentwicklungsmaßnahmen.

Die Aktivierung der Flächenpotenziale basiert auf der Erstellung von Strategien und der Festlegung von Entwicklungsschwerpunkten. Dabei muss eine regelmäßige Rückkopplung der Marktsituation, der Bevölkerungsentwicklung und der Ergebnisse der Innenentwicklung erfolgen, um eine bedarfsorientierte Flächenpolitik zu betreiben. Weiterhin führen die Grundsatzorientierung der haushälterischen Bodennutzung sowie die frühzeitige und transparente Beteiligung der Partner und der Öffentlichkeit zu einem erfolgreichen Flächenmanagement.
Die Strategien des haushälterischen Bodenmanagements in Wendlingen am Neckar definieren sich wie folgt in interdisziplinärer Verknüpfung: intensive Steuerung nachhaltiger Stadtentwicklung, Aktivierung der Potenzialflächen „Wohnen“ und „Gewerbe“; sparsame Neuausweisung von Flächen, Sicherung des Wirtschaftsstandorts, Erhalt und Verknüpfung der Infrastruktur sowie soziale, ökonomische und ökologische Qualitätssicherung. Mit der Festlegung der Entwicklungsschwerpunkte in Wendlingen am Neckar werden diese Strategien am Beispiel von vier Testentwürfen in Handlungslinien entwickelt. Auf Grund der jeweils unterschiedlichen lokalen Rahmenbedingungen wird die Erfordernis der projektbezogenen Vorgehensweise deutlich.
Das Flächenressourcenmanagement in Wendlingen am Neckar ist zentral im „Arbeitskreis Flächenmanagement“ organisiert. Dieser definiert die Schwerpunkte der Flächenentwicklung und ist Ansprechpartner, Koordinator und Initiator der Entwicklungsprozesse. Die Daten der Potenzialflächenübersicht werden in das kommunale geografische Informationssystem integriert und im Rahmen der aktiven Flächenhaushaltspolitik im Internet präsentiert.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Modellkommune Wendlingen am Neckar neben den bereits realisierten Potenzialen über Innenentwicklungsreserven verfügt, die 40 bis 60 Prozent des zukünftigen Bedarfs im Bereich „Wohnen“ und zu 100 Prozent dem Gewerbebedarf entsprechen. Daraus begründet sich die Notwendigkeit des gezielten, effizienten Flächenmanagements in Zusammenhang mit den zukünftigen wirtschaftlichen, demographischen und raumplanerischen Entwicklungen.

Arbeitsbericht des Instituts für Städtebau und Landesplanung der Universität Karlsruhe. Karlsruhe: Eigenverlag.
ISBN 3-89157-105-4; ISSN 0-177-720