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Jahresbericht Wagner, Tina (2003), Kurzfassung

Wagner, Tina (2003)

Potentiale der Erreichbarkeit von Flughäfen im Bahnverkehr am Beispiel des Flughafens Zürich

Flughäfen sind wichtige Schnittstellen eines integrierten Verkehrssystems, die die Verknüpfung der Verkehrsträger Schiene und Straße mit dem Luftverkehr leisten. Dabei wird besonders der Verknüp-fung Schiene/Luft für die zukünftige Bewältigung des Verkehrsaufkommens eine große Bedeutung zugemessen mit dem Ziel leistungsfähigere, effizientere und zuverlässigere Verbindungen zu schaf-fen. Reisezeitverkürzungen zum Flughafen bedeuten für diesen, dass sein Einzugsgebiet wächst und somit mehr Originärpassagiere akquiriert werden können. Außerdem wird unter Umständen eine Ver-lagerung von Kurzstreckenflügen bzw. Zubringerflügen auf die Schiene möglich, wodurch am Flughafen selbst Kapazitäten frei werden.
Der Flughafen Zürich ist in das Schienennetz des Nah- und Fernverkehrs eingebunden und es errei-chen heute etwa 1,6 bis 1,8 Mio. Menschen den Flughafen innerhalb weniger als einer Stunde Reisezeit vom nächsten Haltepunkt des öffentlichen Verkehrs. Eine Betrachtung der Entwicklungspo-tentiale der Erreichbarkeit von Flughäfen aus dem schweizerischen und süddeutschen Raum im Schienenverkehr macht deutlich, dass sich die Grenzen der Erreichbarkeit verschiedener Flughäfen in Zukunft aufeinander zu bewegen werden. Dies ist die Folge von Planungen zur verbesserten Anbin-dung der Flughäfen an bzw. Einbindung in das Schienennetz und den zu erwartenden Reisezeitverkürzungen im Schienenverkehr. Der Züricher Flughafen muss demnach bezüglich des südlichen Oberrheins mit mehreren anderen Flughäfen konkurrieren, schon heute ist die Reisezeit mit der Bahn von Freiburg zum Frankfurter Flughafen vergleichbar mit der zum Züricher Flughafen, ob-wohl die Luftlinienentfernung Freiburg - Frankfurt etwa dreimal so groß ist wie Freiburg - Zürich. Ähnliches gilt für die Regionen Bern und Biel/Bienne und auch für den süddeutschen Raum. Vor die-sem Hintergrund ist die Beschäftigung mit einer Verbesserung der Schienenanbindung des Züricher Flughafens wichtig.
Die Untersuchung zeigt, dass die Erreichbarkeit des Flughafens im Bahnverkehr Verbesserungspoten-tiale hat. Um diese Potentiale zu aktivieren sind neben den ohnehin geplanten Entwicklungen im Schienenverkehr zusätzliche Maßnahmen nötig, die vor allem auf eine verbesserte Erreichbarkeit des Flughafens aus dem Norden, eine schnellere Verbindung nach Basel und die Minimierung der Ver-lustzeiten am Knoten Zürich abzielen. Bis zum Jahr 2020 wäre eine schrittweise Vergrößerung des 1-Stunden-Einzugsgebietes Bahn auf ca. 3 Mio. Menschen möglich. Durch den Bau einer Hochge-schwindigkeitsverbindung zwischen den Flughäfen Zürich und Basel-Mulhouse wäre durch deren Betrieb als ein Flughafen eine Vergrößerung des Einzugsgebietes auf bis zu 4,2 Mio. Menschen mög-lich.
Insgesamt zeigt sich, dass sich die Überlegungen zu konkreten Infrastrukturmaßnahmen durchaus in eine übergeordnete Perspektive der Entwicklung des Schienenverkehrs zwischen den Schweizer Re-gionen und über die Landesgrenzen hinweg einfügen lassen. Die verbesserte Anfahrt von Norden kann vor allem für den grenzüberschreitenden Regionalverkehr mit dem süddeutschen Raum von Bedeutung sein und dadurch eine stärkere Verknüpfung der schweizerischen und deutschen Hoch-rheinseite ermöglichen. Ein Ausbau des Flughafens als nördlichen Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs für die Agglomeration Zürich auf langfristige Sicht bei Verdichtung der Takte zwischen den schweizerischen Regionen, könnte nicht nur für den Flughafen attraktiv sein, sondern auch für die gesamte Entwicklung der Metropolregion. Es gilt also, Synergieeffekte zwischen einer verbesserten Flughafenanbindung, der Entwicklung des Schienenverkehrs und der regionalen Siedlungsentwick-lung zu erkennen und zu realisieren.

Arbeitsbericht des Instituts für Städtebau und Landesplanung der Universität Karlsruhe. Karlsruhe: Eigenverlag.
ISBN 3-89157-106-2; ISSN 0-177-720