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TEDxKIT 2016

Jun. Prof. Andreas Braun bei TEDxKIT 2016

Photo: Gabi Zachmann

 

Die TED Talks (Technology, Entertainment, Design) sind eine sehr bekannte Vortragsreihe, die sich selbst den Auftrag gegeben hat, Ideen für eine tragfähige Zukunft zu entwickeln. Die TEDx Talks stellen unter diesem Label lokal organisierte Konferenzen dar. Am 05.06.2016 fand in Karlsruhe erstmals die TEDxKIT Konferenz statt. Sie stand unter dem Motto "Decisions and Future" und fragte danach, wie vor dem Hintergrund einer kontingenten Zukunft und einer Zunahme persönlicher Risiken Entscheidungen getroffen werden können. 


Der Vortrag "Trust and Future - Human beings and decisions in an increasingly complex world" diskutiert, besonders vor dem Hintergrund einer Zunahme automatisierter und computergestützter Entscheidungen, die Rolle des Menschen. Er umreißt einige (!) der Gründe für eine Zunahme der Komplexität der vom Menschen konstruierten Wirklichkeit und verweist auf eine Zunahme individueller Risiken bei Entscheidungen, die zunehmend folgenreicher werden, durch eine vollständige Deliberation jedoch immer weniger durchdrungen werden können. Dies erzeugt eine zunehmende Tendenz, Entscheidungsprozesse auf numerische Kriterien zu verlagern, was in vielen Fällen sinnvoll, in anderen Fällen jedoch prinzipiell nicht möglich ist, sodass uns in vielen Situationen nichts anderes übrig bleibt als der Unübersichtlichkeit der Welt durch menschliches Entscheiden zu begegnen. 

Dies ist jedoch voraussetzungsreich, da nur möglich, indem Entscheidungsträgern eine besondere Form prinzipiellen Vertrauens entgegen gebracht wird und die sich ausschließlich auf Kompetenz und die Bereitschaft zum kontroversen, problemzentrierten Diskurs bezieht. Diese Schlussfolgerung kontrastiert der Vortrag mit einer Gegenwartsdiagnose des aktuellen politischen Geschehens. Dabei konzentriert er sich bewusst kritisch auf die Agitation der neuen populistischen Bewegungen (etwa PEGIDA) und Parteien (wie etwa der Alternative für Deutschland, Front National, UKIP etc.), die das grundsätzlich problematische Entscheidungsdilemma bewusst ausnutzen. Indem sie der Öffentlichkeit Einfachheit suggerieren, wo diese nicht gegeben ist, zündeln sie gezielt im sozialen und politischen Miteinander, bis das Feuer entfacht ist. Durch Aufforderung zur Stellungnahme oder - aus deren Sicht schlimmer noch - Wählermandat zur politischen Verantwortung gerufen, lassen sie diese meist schnell fallen wie eine heiße Kartoffel. Das Risiko dabei sind also gerade nicht deren Mitgestaltungsmöglichkeiten, sondern dass offensichtlich immer weniger auffällt, dass wer aufgrund der übermächtigen destruktiven Innenkräfte unfähig ist, auch nur über wenige Monate eine Fraktion zu organisieren, wohl kaum zu konstruktiven politischen Lösungen beitragen kann, gleichzeitig aber im Stande ist, jeder politischen Lösungssuche das erforderliche gesellschaftliche Grundvertrauen zu entziehen und diese damit zu unterwandern.

Damit abschließend warnt der Vortrag vor einem gesellschaftlichen Kohärenzverlust, der droht, wenn Vertrauen zum Menschen weiterhin für irrational und unmodern gehalten das Komplexitätsproblem hingegen gleichzeitig negiert wird. Denn damit wird einerseits Entscheidungsverantwortlichen die Legitimation entzogen, die zunehmend mit Komplexität konfrontierte Öffentlichkeit jedoch alleine gelassen.

A. Braun

Video des Vortrags von Jun. Prof. Andreas Braun

Fotos aller Vorträge