Ein parkplatzfreier Werderplatz - Von der Idee zum Realexperiment
Im Rahmen des Forschungsprojektes ra:ve – Raum für Veränderung und des Projektseminars transformative Forschung im Quartier, haben wir, Masterstudierende des Institutes für Regionalwissenschaft (IfR) uns mit dieser Frage auseinandergesetzt und ein Teilszenario des parkplatzfeien Werderplatzes erprobt.
In den vergangenen Jahren forschten Studierende des IfR bereits in der Südstadt, zudem sammelte die Stadtgesellschaft fleißig Ideen für den Werderplatz. So stand der Seminargruppe eine große Bandbreite an Datensätzen zur Verfügung, auf welchen dieses Projekt aufbaut.
Sechs Parkplätze neu gedacht
Nach mehrwöchiger Vorbereitungsphase, in welcher wir Studierenden dieses Jahrganges die Südstadt kennengelernt sowie selbst Daten erhoben haben, startete diesen Sommer die Umsetzung des Realexperimentes am Werderplatz!
In dem Zeitraum vom 06. bis zum 16. Juli 2026 erprobten wir auf sechs Parkplätzen, wie man diesen Raum anders nutzen und wie sich diese Änderungen auf den Werderplatz als öffentlichen Raum in der Südstadt auswirken.
An den ersten Tagen des Realexperimentes konstruierten wir mit Unterstützung von Urbane Gärten vor Ort auf dem Werderplatz verschiedene Mobiliar-Elemente aus Holz. Das Bauen auf dem Werderplatz hat viel Aufmerksamkeit auf das Projekt gelegt sowie viele Interessierte und Helfende Hände angelockt.
Die Studierenden teilten sich sowohl im Seminar als auch in der Bauphase in zwei Gruppen auf und legten den Fokus auf verschiedene Aspekte des Realexperimentes:
Raum für Begegnung, Spiel und Aufenthalt
Die Gruppe ‘Sitzgelegenheiten‘ baute verschiedene Arten von Sitzbänken, Beistelltische und ein Hochbeet mit angebrachtem Mülleimer. Das Interesse dieser Gruppe bestand darin herauszufinden, wie kurzzeitig aufgestellte (öffentliche) Sitzplätze genutzt und angeeignet werden. Die Perspektive dabei: Der Werderplatz wird als Ort, der durch materielle Anordnungen, alltägliche Praktiken und Wahrnehmungen entsteht.
Die Gruppe ‘Spiel und Kreativität‘ baute eine Wippe, eine Holzwand zum Bemalen sowie einen Tisch, welcher zwar multifunktional genutzt werden konnte, an welchem jedoch ebenfalls Utensilien für Tischtennis befestigt waren. Es sollte erprobt werden, inwiefern spielerische Elemente das Potenzial entfalten, eine vielseitige Nutzung des Werderplatzes durch verschiedene Personengruppen zu fördern. So wurden Angebote zur Begegnung und zum Verweilen geschaffen werden, um sowohl die Teilhabe als auch das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. Die Gruppe ‘Spiel und Kreativität‘ organisierte für Sonntag, den 12. Juli 2026 eine Malaktion, auf welcher die zuvor angebrachte Holzwand sowie die anderen Elemente gemeinsam bemalt werden konnten. Diese Aktion zielte darauf, ein positives Gefühl und eine Verbundenheit zu dem Realexperiment und dem Werderplatz aufzubauen.
Des Weiteren wurde vom ra:ve -Projektteam -Team zwei Podeste mit unterschiedlich hohen Stufen und einem „Wegweiser“ sowie Platz für Aushänge gebaut.
Das Erkenntnisinteresse beider Projektgruppen bestand darin zu erproben, wie Anreize für gemeinschaftliche Praxis ohne Konsumzwang geschaffen werden können und genutzt werden, und inwiefern die Aufenthaltsqualität des Werderplatzes dadurch gesteigert werden kann.
Am letzten Tag der Bauphase fand ab 18 Uhr eine kleine Einweihung unserer gebauten Elemente und des Experimentes statt. Während der Einweihungsfeier traten wir in Kontakt mit Interessierten und Anwohnenden und konnten bereits viele spannende Gespräche führen.
Die Empirie: Beobachten, Befragen, Kartieren
Ab Donnerstag, den 9. Juli startete dann der Empiriezeitraum, der bis zum 16. Juli 2026 andauerte. Wir Studierende beobachteten das Mobiliar in Schichten über den ganzen Tag verteilt, um die Nutzung der Intervention zu verschiedenen Zeitpunkten festhalten zu können. Im Rahmen des Interventionszeitraumes verwendeten wir diverse quantitative und qualitative Methoden, um Daten für die Beantwortung unserer Forschungsfragen zu erheben.
Zum Einen führten wir kurze narrative Interviews mit den Menschen, die unsere Elemente nutzten, um detaillierte Einblicke und verschiedene Wahrnehmungen zu der Intervention als auch zu dem Werderplatz zu erhalten.
Zum Anderen wurden strukturierte Beobachtungen durchgeführt und dokumentiert. In den Beobachtungsprotokollen wurde festgehalten, wie die Ausgangslage des Werderplatzes zu dem jeweiligen Zeitpunkt war (Wetter, besondere Veranstaltungen, etc.) und wie viele Personen sich an der Intervention aufgehalten haben. Zudem wurde beobachtet, wie die temporären Elemente am Werderplatz genutzt, umgestellt oder auch bewusst gemieden wurden.
Des Weiteren wurde mit Hilfe der Methode ‘Mapping‘ der Ausschnitt der Intervention am Werderplatz ausführlich kartiert. Markiert wurden auf der Karte alle Geschehnisse mit Bezug zu unserer Intervention (Nutzung, Interaktion, Veränderung, etc.).
Darüber hinaus konnte man über einen QR-Code an einer Online-Umfrage teilnehmen, was die Möglichkeit geboten hat, die eigene Meinung zu den gebauten Elementen und der Intervention anonym zu äußern.
Was wir mitnehmen: Erfahrungen und nächste Schritte
Letztendlich wurde die Intervention am Werderplatz von vielen Personen positiv aufgefasst. Wir Studierende haben viele spannende Gespräche führen dürfen und verschiedene Meinungen, Vorschläge und Bedenken mitgenommen. Uns hat es viel Spaß bereitet, uns nicht nur theoretisch in der Uni auf spätere Forschungsvorhaben vorzubereiten, sondern praktisch vor Ort zu erproben und zu beforschen, wie sich die Parkplatzumnutzung auf den öffentlichen Raum als auch auf die sich dort aufhaltenden Menschen auswirkt.
Im nächsten Schritt werden wir im kommenden Wintersemester die Auswertung der gesammelten Daten vornehmen und im Anschluss unsere Erfahrungen und Ergebnisse für zukünftige Planungen und Entscheidungen der Stadt Karlsruhe zur Verfügung stellen.
Wir freuen uns auf das kommende Semester und darauf, weitere Erkenntnisse und Erfahrungen zu dem Werderplatz zu sammeln!
Das Mobiliar befindet sich übrigens über den Untersuchungszeitraum hinaus zum großen Teil in der Südstadt: Die Bänke haben wir dem Kinder- und Jugendhaus gegeben, dort im Hof können sie gerne ausprobiert werden.
Freundliche Grüße,
die Studierenden des Projektseminares transformative Forschung im Quartier 2026 🌸







